Erotikfilme – Vorurteile und Wahrheit

Erotikfilme: Sehen nur Männer, machen süchtig, wecken unrealistische Wünsche, erzeugen sexuellen Frust, die Beziehung leidet unter dem Konsum …
Die Liste der Vorurteile ist lang. Aber auch so vorbehaltslos wahr? Ein paar der gängigsten Ansichten und ein genauerer Blick auf sie.

 

Pornos machen süchtig

Das zu sein, verkündeten schon (Semi-) Prominente, das Internet ist voll von Ratgebern, die  aus der Porno-Sucht helfen sollen und an Erfahrungsberichten Betroffener mangelt es schon gar nicht.
Zweifellos sind Menschen darunter, die auf den Entzug ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung mit Unruhe, Nervosität und Gereiztheit reagieren. Diese mit körperlichen Suchtsymptomen konfrontierten Konsumenten stellen aber eine verschwindend geringe Zahl dar. So gering, dass sie den Ruf des „Suchtmittels Erotikfilm“ eigentlich nicht rechtfertigt.
Eine definierte Höchstzahl von konsumierten Medien/Tag oder gar eine Konsum-Maximaldauer, die eine Sucht messbar machen würde, gibt es ebenfalls nicht.

Wer dennoch den Eindruck hat, den Alltag nicht mehr bewältigen zu können, wird nicht, wie etwa ein Alkohol- oder Drogenkranker, physiologisch, sondern psychologisch behandelt. Ähnlich wie bei exzessiven Gamern liegt hier nämlich eher das Problem vor, in eine Fantasiewelt entfliehen zu wollen.

 

Pornos sind nur was für Männer

Stimmt nicht ganz. Zwar stellen die Herren immer noch die größte und erste Zielgruppe dar, jedoch spielen zunehmend Frauen eine Rolle. Und zwar nicht als Darsteller-, sondern als Konsumentinnen. Sie brauchen aber eine andere, intensivere, kreativere und vor allem sinnigere Handlung. Das ist aufwendiger, was das Angebot für die Damenwelt vergleichsweise gering hält.

Fazit: Auch Frauen wären zu gewinnen. Das magere Angebot lässt jedes Interesse aber wieder schwinden. Und die Damen eher ein schlechtes Bild vom Produkt Erotikfilm gewinnen, mit dem eben so gar nicht auf sie eingegangen wird.

Nur sehr traurige Auswahl: Frauen haben durchaus nichts gegen anregende Filme. Aber obwohl schon gewachsen, ist der Markt für sie noch immer vergleichsweise klein.

Pornos wecken unrealistische Wünsche

Erotikfilme sind Bild gewordene Phantasien. Dass darunter kaum realitätstaugliche Begebenheiten stattfinden, ist jedem klar, auch dem eifrigsten Konsumenten.  Studien haben gezeigt, dass sich Paare aus sinnlichen Filmen durchaus Ideen entleihen, um ihr Sexualleben zu bereichern. Daraus lässt sich also ganz im Gegenteil schließen: Die Streifen stellen der realen Sexualität in keinster Weise ein Bein, sondern erweitern sie um neue Praktiken.
Unrealistisch anmutende Wünschen wurden dabei nur bei denen geweckt, die mit ihrer Sexualität im Vornherein nicht zufrieden waren.  Das ergab eine Studie, veröffentlicht im Human Communication Research. Besonderer Fokus lag dabei noch einmal auf der Wirkung des Erotikfilm-Konsums auf die Beziehung, was zum nächsten Vorurteil führt:

 

Pornos zerstören jede Partnerschaft

Gemeinsamer Konsum und daraus gewonnene Anregungen führen zu keinerlei Zersetzung. Ganz im Gegenteil. Wie oben angesprochene Studie erwies, stärkte das gemeinsame Teilen und Leben von Phantasien die Bindung sogar.
Wer sich dagegen allein mit den Filmen zurück zog, gab an, dies eher aus Beziehungsflucht heraus zu tun. In der Partnerschaft lagen die Dinge schon zuvor im Argen. Nicht nur Hinblick auf sexuelle Erfüllung.

Also: In Wirklichkeit verhält es sich genau umgekehrt. Wer sich mit sinnlichen Filme zerstreut, vermisst bereits etwas in der Beziehung. Die Defizite in der Partnerschaft sind schon etabliert

Lassen sich Paare von Gesehenem anregen und leben reizvolle Phantasien gemeinsam, stärken Erotikfilme die Partnerschaft sogar.

 Pornos generieren Verhütungsmuffel

Sinnesfreuden werden in entsprechenden Filmen stets verhütungsfrei genossen. Das hat schnell zu dem Vorurteil geführt, dass die Konsumenten ganz in dieser Tradition verfahren, also auf Präservative grundsätzlich ebenso verzichten wollen.
Dagegen stellte sich 2015 das Journal of Sex & Marital Therapy. Die überwältigende Mehrheit Befragten gab bei der Studie an,  großen Wert auf Safer Sex zu legen. Es besteht also auch hier kein Grund, die gefilmte Phantasie, in der nun einmal keine Kondome auftauchen, den Zuschauern zur Last zu legen.