Paar vergnügt sich im Bett und küsst sich

One Night Stand – Klischee und Wirklichkeit

One Night Stand- Klischee und Wirklichkeit

Oder: Der One Night Stand – Eine (provokante?) Gegenansicht zum ständigen schlecht Reden


Sind Sie auch enttäuscht? Das Netz quillt über von Ratgebern, wie man sich nach dem One Night-Stand verhalten sollte. Das klingt ja erst einmal gut, steckte nicht immer irgendwie der Grundton darin, beide Beteiligten hätten nicht ihr Singleleben toll gewürzt, sondern irgendwie, Alkohol sei (Un-) Dank, einen Fehler gemacht. Und da müssten sie sich nun irgendwie heraus winden.
Regelmäßig hat sich Zeus am Morgen in einen haarigen, dicklichen Bacchus verwandelt, Venus in eine zu irdische (Unter-)Durchschnittsfrau mit abblätterndem Rest-Make Up und Stoppelbeinen. Und natürlich hat sich der Fehlgriff zu allem Überfluss auch noch verliebt …

Kurz und knapp: Das erotische Abenteuer einer Nacht zu suchen ist schlecht. Böse. Es steht garantiert Reue ins Haus. Oder sollte es doch bitte!

Warum wird suggeriert, den leidenschaftlichen Stunden folgen zwingend ganz furchtbar peinliche? Weshalb mutiert der oder die Erwählte bei den ersten Sonnenstrahlen immer zwingend zum optischen Härtefall? Warum muss es im halben Fiasko enden, seine sexuellen Vorlieben als ungebundener Mensch frei zu leben?
Ist unsere, als doch eigentlich liberal (gut) bis übersexualisiert (da kippt der Wein) bezeichnete Gesellschaft vielleicht doch im Grunde so bieder, dass sie gerne hört/ liest, dass ein Abenteuer immer irgendwie „bestraft“ wird?

Provokant: Ja. Sieht so aus. Warum sonst werden unangenehme Situationen, die sicher auch zu Hauf entstehen, so überbetont? Warum kommen One Night Stands ohnehin nur zustande, wenn man sich zu sehr an Schirmchencockail & Co. freute, man also sozusagen ohnehin nur „beschränkt geschäftsfähig“ war?

One Night Stand am Arbeitsplatz
Ein Abenteuer kann so wunderbar sein. Warum werden immer die Schattenseiten so betont?

Höchste Zeit für eine Gegendarstellung

Ja, Alkohol ist nicht selten der Türöffner. Er lockert die Stimmung, macht offener für einen heißen Flirt und dann passieren besonders gern Dinge, die man so nicht geplant hatte. Aber mal ehrlich: Alkohol (genau wie Geld) verändert den Charakter nicht, er zeigt ihn. Heißt: Ungeplant ist nicht gleich ungewollt. Wer in ein Abenteuer stolpert, war auch in irgendeiner Weise offen dafür. Er hat es nun gelebt. Daran soll etwas verwerflich sein?

Und wenn sich erwählter Sexualpartner im (nüchternen) Morgenlicht doch als nicht gerade erste Wahl entpuppt?

Warum so eine hohe Erwartungshaltung? Es ging um den Abend, die Atmosphäre, die Lust, die Leichtigkeit, den Spaß am Sex. Warum also dasselbe Maß anlegen, als ginge es um eine feste Bindung? Das tat es nie.

Kann passieren: Der Sex war schlecht. Ob es nun an einem Part lag oder ob sich beide nicht von ihrer leidenschaftlichsten Seite zeigten, es passte erotisch eben doch nicht. Muss man dann beschämt auseinander schleichen? Keinesfalls. Es war eine nicht so wunschgemäß schöne Erfahrung. Das passiert, wenn man sich auf etwas einlässt: es kann schief gehen. Was hier nicht harmonisch ablief, kann sich mit einem anderen Partner ganz anders darstellen. Wer öfter auf der Pirsch ist, weiß das.

Also wie läuft es denn nun meist ab?

Na ja. Schon häufiger kommt vor: Der Sex war gut. Und ist Ihnen das mal aufgefallen? Auch das wird gern ins Negative gezerrt. Denn, das wird bevorzugt den Frauen nachgesagt, stört die verflixte Verliebtheit die unverbindliche Sache …
Ja, das passiert. „Abenteurer“ sind allerdings nicht so anfällig für spontane Gefühlsentzündungen  wie gern dargestellt wird. Sex und Liebe lassen sich sehr gut für sie trennen. Unerhört- sogar für die Frauen. Auch sie bringen es über ihr liebesanfälliges Herz, den potenten Partner spätestens nach dem Frühstück, manchmal aber auch zeitnah nach dem Bettensport, nach Hause zu schicken.

Apropos „Gefühle“

Es wird regelmäßig impliziert, dass aufkeimende Liebe der Grund für zumindest eine der beiden Parteien ist, sich auf die Laken werfen zu lassen. Wie bemerkenswert häufig beide wissen, worauf sie sich einlassen, wird, ja, gerade eben nicht bemerkt.

One Night Stand im Schlafzimmer
Gefühle? Möglich. Meist wissen aber beide, dass es nur um den Spaß gehen soll.

Da werden außerdem Ängste vor dem nicht gehen wollenden Bettengast geschürt.Wie wird man ihn/ sie elegant los? Dabei ist das kein so großes Problem.

Wer aufwacht, wo er nicht wohnt, kehrt zeitnah wieder dorthin zurück, wo sein Hausschlüssel wieder ins Schloss passt. Dieser kleinen „Schlüsselregel“ folgen mehr Menschen, und vor allem unkomplizierter, als die Ratgeber ahnen lassen.

Das Schlusswort also nach Dale Carnegie: Sorge dich nicht – lebe.

Genießen Sie, entdecken Sie, vielleicht wird mehr aus der Einmalgeschichte, vielleicht nichts, vielleicht auch ein Griff ins … Na, Sie wissen schon.

Lassen Sie sich davon aber nicht die Vorfreude nehmen. Und wenn es doch mal kommt, wie es nicht sollte: Genug Ratgeber für den Ernstfall gibt es ja.