Stellen Sie diese Fragen bitte keinem Single

Die Zeit als Single kann durchaus bereichernd sein. Es ist die Zeit der neuen, spannenden Begegnungen, des vollkommen selbstbestimmten Tagesablaufs und und und …
So weit, so angenehm.
Oft ist da aber doch wieder die Sehnsucht nach Zweisamkeit, den Kuschelabenden, dem Teilen des Alltags, der kleinen und großen Gemeinsamkeiten ….
Gerade dann kommen diese Fragen der besorgten Mitmenschen alles andere als gut.
Plädoyer der Singles: Lasst das bitte!

„Fühlst du dich nicht oft allein?“

Diese Frage steht immer irgendwo zwischen zwei Extremen: Mitleid mit dem armen, einsamen Hascherl, das der Single doch ist. Oder sie drückt baffes Erstaunen aus, schlurft der/ die Alleinlebende nicht völlig deprimiert durch die Welt.
Beiden Versionen ist gemein: Sie rühren an der Einsamkeits-Wunde, die jeder Single irgendwann, irgendwie einmal hat. An der Situation kann er so schnell auch nichts ändern.
Diese Frage unterstellt aber, dass das doch jederzeit möglich ist. Der Single will es ja nur nicht.

Das führt direkt zu Frage …

„Dein Partner muss eben noch gebacken werden, was?“

Solche Witzeleien sind ganz fehl am Platz. Das klingt, je öfter man es hört, nach einem latenten Vorwurf, dass man nicht die/ den Erstbeste/n genommen hat. Oder auf den Kuppelversuch der Freunde nicht ansprang. (Dabei passte dieser gut gemeinte Partnervorschlag hinten und vorn nicht.)
Und es ist beleidigend. Soll das heißen, dass man sich in einer Position befindet, in der man keinerlei Ansprüche stellen darf, sondern dankbar alles anzunehmen hat, was da Interesse zeigt?

Und da wäre immerhin jemand zur Hand, denn gern gestellte Frage ist auch …

„Für dich muss wohl erst noch jemand gebacken werden?“ Diesen Zauberteig würde jeder Single sofort selbst anrühren, wenn ihm dafür nur diese Witzelei erspart bliebe.

„Was hältst du von …. (Person aus dem Freundeskreis/ der Nachbarschaft/ dem Arbeitsumfeld/ etc.)?“

Nichts. Ist nett. Mehr nicht.
Es mag gut gemeint sein, für den Single nach einer passenden Partie Ausschau zu halten. Aber das kann der Suchende durchaus selbst. In der Regel ist er nicht wegen vollkommener Unfähigkeit Single. Vor allem aber ist er nicht ununterbrochen auf der Pirsch, sondern kann Menschen durchaus in einfacher Kommunikation begegnen.
Also: Nach potentiellen Partnern schauen Alleinstehende selbst. Und zu dem Zeitpunkt, der ihnen passt.

Aber gerade Zeit haben Singles wohl nicht. Oder nicht mehr viel, sonst käme es nicht zu Frage …

„Willst du denn nicht irgendwann heiraten und Kinder haben?“

Unter Druck setzen hat noch nie geholfen. Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht.
Davon einmal abgesehen gibt es tatsächlich Menschen, die weder Hochzeit, noch Nachwuchs in ihrem Leben planen.
Aber zum Thema: Wenn kein Partner dafür da ist, ist keiner da. Als fiele es dem Single nach dieser Frage wie Schuppen von den Augen, dass er da ja glatt etwas vergessen hat! Und * Zack * fällt das passende Gegenstück auch schon vom Himmel.

Und da es doch eigentlich so einfach ist, zwingt sich die Verständnisfrage geradezu auf:

„Ich verstehe das nicht. Warum bist du nur noch Single?“

Wieder so eine Frage zwischen zwei Polen.
Mitleid: „Du bist so toll, warum sehen das andere nicht?!“
Skepsis:“Warum kriegt er/sie niemanden ab? Mit ihr/ihm stimmt doch was nicht …“
Letzteres wird natürlich nicht laut ausgesprochen. Aber der leicht abschätzende Ausdruck im Blick des Fragenden entgeht dem Single nicht.
Daher zur Info: Wenn die Suchenden das so genau wüssten, würden sie das Problem gezielt angehen – und wären längst nicht mehr Single. So bleibt auch ihnen nur das Spekulieren. Und Weitersuchen.